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Armut in Österreich – kein Geld fürs Heizen

Hans / Pixabay

Caritas Präsident Michael Landau: „Immer mehr Österreicherinnen und Österreicher können sich keine warme Wohnung leisten. Wir dürfen auf die Sorgen und Nöte der Menschen nicht vergessen!“

Immer mehr Menschen in Österreich und in ganz Europa können sich die Heizkosten für ihre Wohnung nicht leisten. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hervor. Demnach fehlte 50 Millionen Menschen in Europa das Geld, ihre Wohnungen zu heizen oder unvorhergesehene Ausgaben zu bestreiten.

„Dieser Bericht bestätigt einmal mehr, was wir als Caritas in unserer täglichen Arbeit erleben: In Österreich erfrieren vielleicht Menschen nicht, wenn sie von Armut betroffen sind – aber gefroren wird auch bei uns“, so Caritas Präsident Michael Landau. „Der Druck an den Rändern steigt. Das ist eine gesellschaftlich ungesunde und wirtschaftlich problematische Entwicklung. Die Politik darf hier nicht tatenlos zusehen.“

Fast ein Viertel der europäischen Bevölkerung, insgesamt 123 Millionen Menschen, lebt dem Bericht zufolge an der Armutsgrenze oder darunter. Ihnen stünden 342 Milliardäre gegenüber, mehr als doppelt so viele wie 2009, so der aktuelle Bericht von Oxfam.
Für Österreich, wo die Einkommensungleichheit vergleichsweise gering ist, weist Oxfam eine deutliche Vergrößerung der Ungleichheit seit 2005 aus.

Teures Wohnen und Heizen
„Wohnen und Energie sind zwei Schlüsselthemen, wenn es um Armut und steigenden Druck an den Rändern der Gesellschaft geht“, so Landau. „268.000 Menschen in Österreich geben an, ihre Wohnungen nicht angemessen warm halten zu können (EU SILC 2014). Unsere Erfahrungen zeigen, dass einkommensarme Haushalte knapp 11 Prozent ihres Geldes für Energie (Wärme+Strom) ausgeben. Das ist ein großer Anteil des verfügbaren Budgets, wenn man ohnehin nur ein geringes hat.“

Angekündigte Mietrechtsreform fehlt bis heute
Hohe Mieten, undurchschaubare Zuschlagsysteme und hohe Eigenmittelanteile bekommen nicht nur Menschen am Rand der Gesellschaft zu spüren. Das Problem hat längst die Mittelschicht erreicht. Landau: „Das Dickicht undurchsichtiger Zu- und Abschläge beim Mietrecht muss endlich gelichtet werden. Wir fordern die Zweckwidmung der Wohnbauförderungsmittel und eine flächendeckende Delogierungsprävention. Zumindest für sozial benachteiligte Haushalte braucht es ein auch ein Abschaltverbot während der Wintermonate, um die Wärmelieferung sicherzustellen und einen Energieeffizienz-Fonds zur Unterstützung armutsbetroffener Haushalte, etwa beim Austausch alter, stromintensiver Geräte.“

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