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Interessant: Doch wer kennt das nicht?

geralt / Pixabay

Die Psychologie hat für fast alles Begriffe.

Heute will ich das Thema Anpassungsstörung aufgreifen!

Reaktion auf belastende Lebensereignisse

Anpassungsstörungen sind nach heutiger Definition das, was man früher eine depressive Reaktion oder reaktive Depression nannte, eine Trauerreaktion, einen Kulturschock u.a. Oder kurz: belastende Lebensereignisse oder einschneidende Lebensveränderungen einschließlich schwerer körperlicher Erkrankungen, mit denen der Betreffende nicht fertig wird. Beispiele: Partner- und Familienprobleme, Liebesenttäuschungen, Schwierigkeiten im Beruf, finanzielle Einbußen, gesundheitliche oder sonstige Bedrohungen. Meist handelt es sich um eine kurze bis mittelfristige Reaktion, überwiegend resigniert-depressiv, ängstlich-furchtsam, frustriert, gedemütigt, besorgt, angespannt, aber auch reizbar, aggressiv u.a. Das Leid geht entweder von selber zurück oder kann therapeutisch gemildert bzw. abgekürzt werden, insbesondere durch eine sogenannte Krisenintervention.

Depressive Reaktion: Viele werden jetzt vor dieser Situation stehen. Die Opfer des Amokfahrer zum Beispiel.

Erwähnte Fachbegriffe:

Anpassungsstörung – Trauerreaktion – entscheidende Lebensveränderungen – Life Events – Trauerfall – Trennungserlebnis – Emigration – Flucht – Liebeskummer – Arbeitsplatzprobleme – Eheprobleme – spezifische Lebensphasen – Stressoren – individuelle Disposition – Erkrankungsneigung – Vulnerabilität – seelische Verwundbarkeit – depressive Reaktionen – reaktive Depression – psychoreaktive Depression – depressive Erlebnisreaktion – abnorme depressive Belastungssituation – längere depressive Reaktion – Angst und Depression gemischt – Angststörung – Störung des Sozialverhaltens – Störung von Gefühlen und Sozialverhalten – Sozialstörungen – Akkumulation von Risikofaktoren – Krisenintervention – Psychotherapie – Pharmakotherapie – Antidepressiva – Tranquilizer – Beruhigungsmittel – Schlafmittel – Soziotherapie – Coping-Strategien – Bewältigungs-Strategien – u.a.

Fachbegriffe versus Herzensprache?

Die Menschen die jetzt schwer traumatisiert sind werden Medikamente bekommen, gescheite Sprüche. Wie: „Machen sie ein Rufzeichen statt ein Fragezeichen“! Und belasten sie die Gesellschaft ja nicht mit ihrer Störung“!

Keine Zeit, überforderte Psychologen und Therapeuten versus Herzenbildung und die Sprache des Herzen.

Hilft so eine Aussage? Oder ist sie eher abwertend für die Betroffenen dies gilt es zu entscheiden.

Wenn sich jemand nicht anpassen kann, muss er mit Schwierigkeiten im Alltag rechnen. Wenn einer so gestört ist, dass er eine regelrechte „Anpassungsstörung“ hat, wird er in seinem Umfeld wohl langsam ausgegrenzt und isoliert. Wer nicht gerade muss, will nichts mehr mit ihm zu tun haben. So jedenfalls stellt man sich in der Allgemeinheit eine mangelhafte Anpassungsfähigkeit vor. Aber nicht so in der modernen Psychiatrie. Warum?

Anpassen ist in der Norm sein, doch was ist die Norm?

Gesellschaftsdruck?
Der Mehrheit anschließen?

Neue Klassifikationen – neue Fachbegriffe

Die Psychiatrie als medizinisches Fach von wachsender Bedeutung (Weltgesundheitsorganisation: derzeit mindestens ein Viertel der Bevölkerung mit psychischen Störungen belastet) hat sich in den letzten Jahrzehnten eine neue Struktur gegeben: neue Klassifikationen (Krankheitseinteilungen), ja sogar neue Diagnosen und neue, bisweilen gewöhnungsbedürftige Fachbegriffe. Psychiater und Nervenärzte, die noch Mitte des 20. Jahrhunderts klinisch und wissenschaftlich auf der Höhe ihres Faches gewesen sind, würden sich heute in zumindest einem Teil der Psychiatrie nicht mehr zurechtfinden. Einige würden resignieren, andere zu Ironie oder Sarkasmus Zuflucht suchen – und hätten mitunter sogar Recht.

Ein ähnliches Problem ergibt sich für das Thema dieses Kapitels, nämlich die Anpassungsstörungen. Hier geht es also nicht um eine mangelhafte willentliche Anpassung was zwischenmenschliche, gesellschaftliche oder gar moralische Vorgaben anbelangt, hier geht es um belastende Lebensereignisse, mit denen der Betreffende einfach nicht mehr fertig wird, zumindest eine Zeit lang. Was heißt das?

Was heißt Anpassungsstörung?

Das ganze Leben besteht letztlich aus einer endlosen Summe von Belastungen, alltäglichen zwar, aber lästigen, unangenehmen, peinlichen, störenden oder gar erheblich beeinträchtigenden bis quälenden oder zermürbenden. Der größte Teil ist glücklicherweise auszuhalten, befriedigend zu überwinden oder einfach „wegzustecken“. Er ruft deshalb auch keine seelischen oder körperlichen bzw. psychosozialen Symptome hervor. Wenn das jedoch nicht gelingt, dann drohen Anpassungsstörungen:

Anpassungsstörungen treten nach entscheidenden Lebensveränderungen, belastenden Lebensereignissen oder schweren körperlichen Erkrankungen auf. Sie sind Zustände von subjektivem Leid und gemütsmäßiger Beeinträchtigung (Definition modifiziert nach der ICD-10 der WHO).

Zweiter Teil demnächst.

Quelle