Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett

Spuren des Bösen © RainerS / "Spuren des Bösen"

Wer kennt noch diesen Schlager von 1962, mit dem Bill Ramsey einen Hit landete? Die Mimi ist Schnee von gestern, aber Krimis gibt es heute noch, und zwar mehr denn je. Eine wahre Bücherlawine überrollte Buchläden und Onlineshops. Ab 1990 erschienen erstmals original deutsche Kriminalromane mit deutschen Handlungsorten.

Diese Lokal- oder Heimatkrimis bieten regionale Ermittler, Mörder und Leichen, es ist der Krimi von Nebenan. Oft werden heimatliche Charaktertypen und Klischees verarbeitet und sie sprechen damit Leser an, die sich nicht so sehr für die eigentliche Handlung des Krimis interessieren, sondern für ihre eigene Region bzw. ihre Stadt, in der sie sich auskennen. Es ist also der Wiedererkennungswert, der den Reiz dieses Genres ausmacht.

Mit zunehmendem Konkurrenzdruck mussten sich die Autoren von Heimatkrimis mit hervorstechenden Verkaufsstrategien gegenseitig übertrumpfen. Nehmen wir den in Hamburg lebenden Autor Dr. Andreas Wagner, ein in Mainz geborener Winzer und Historiker. Als geborener Rheinhesse kam er auf die Idee, seine Lesungen mit einer Weinprobe zu verbinden und als Event zu gestalten, z. B. auf einem Theaterschiff.

Dass man sich etwas schön trinken kann, ist für mich als Rheinhesse Alltag. Da wird grundsätzlich jede Art von Lesung mit einer Weinprobe, einer „Verkostung“ verbunden, egal, ob sie in einem Weinkeller oder auf einem Rheinschiff stattfindet. Besonders einheimische Jungwinzer sind sehr erfinderisch. Da wird anlässlich einer Heimatkrimi-Lesung eine neue „Weinlinie“ zelebriert, natürlich musikalisch untermalt. Und wenn man dann noch das Wort „Weinprobe“ durch „Degoustation“ ersetzt, wirkt das Ganze so gekrampft und gestelzt wie ein Rheinhesse, der unbedingt hochdeutsch sprechen will.

Meinem Krimi „Spuren des Bösen“ fehlt ein für Heimatkrimis typischer Untertitel, wie etwa „Ein Eifel-Krimi“. Er spielt zwar in meiner Region (Mainz, Alzey), der untersuchende Staatsanwalt ist aber kein typischer Rheinhesse. Es gibt nur einen Toten und die Deliquenten sind vorab bekannt. Trotzdem muss man sich meinen Krimi nicht schön trinken, er ist auch so spannend genug!

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