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Pfeiffer: bis zum Schluss um Zielpunkt-Sanierung gekämpft

"Das Insolvenzrecht verbietet uns finanzielle Hilfe zu leisten" Mag. Georg Pfeiffer, Aufsichtsratsvorsitzender der Pfeiffer Handelsgruppe | ©: Michael Hügel "Das Insolvenzrecht verbietet uns finanzielle Hilfe zu leisten" Mag. Georg Pfeiffer, Aufsichtsratsvorsitzender der Pfeiffer Handelsgruppe | ©: Michael Hügel

In den letzten Tagen wurde viel auf Mag. Georg Pfeiffer, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Pfeiffer Gruppe abgefeuert. Nun nimmt er selbst zur Zielpunkt Pleite Stellung. Diese Stellungnahmen erreichen auf dreierlei Art die Öffentlichkeit: Zum einen in der Montag Ausgabe der Zeitung ÖSTERREICH, zum anderen war es im ORF bei IM ZENTRUM.
Drittens kam eine Erklärung per Presseaussendung.
Jene Aussendung geht näher auf ein Detail ein, welches im TV weniger zur Sprache kam, nämlich der umstrittene Immobilien Deal.

Pfeiffer Handelsgruppe hat bis zum Schluss um Zielpunkt-Sanierung gekämpft

Das Team der Zielpunkt Filiale Alserstraße im 9. Wiener Bezirk bei der Eröffnung am 23.7.2015 | ©: Bill Lorenz

Das Team der Zielpunkt Filiale Alserstraße im 9. Wiener Bezirk bei der Eröffnung am 23.7.2015 | ©: Bill Lorenz

Zielpunkt nimmt Stellung zu den heutigen Aussagen von GPA-Chef Wolfang Katzian: Die Zielpunkt GmbH, eine 100 % Tochter der Pfeiffer Handelsgruppe, bringt morgen Montag den Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien ein. Die Trauner Handelsgruppe hat in den vergangenen drei Jahren über 50 Millionen Euro zur Rettung in die stark angeschlagene Supermarkt-Kette investiert und bis zum Schluss um das Überleben gekämpft. Die Sanierung von Zielpunkt hat viele Investitionen und Maßnahmen mit sich gebracht.

Kauf der Standort Immobilien sollte 4 Mio. sparen

Die angesprochenen knapp 70 Immobilien gehören der Firma TREI Immobilien und wurden zu teilweise völlig überhöhten Mieten angemietet. „Wir konnten aus diesen Mietverträgen nicht aussteigen, da Kündigungsverzichte vereinbart wurden“, so Mag. Georg Pfeiffer, Eigentümer Pfeiffer Handelsgruppe. Um Zielpunkt zu entlasten, stieg die Pfeiffer Handelsgruppe 2013 in die Mietverträge ein. Seit einem halben Jahr verhandelt Pfeiffer – nach dem Verweigern von Mietreduktionen – den Kauf der Immobilien. „Das Ziel war, die Mieten für Zielpunkt um 4 Millionen Euro für die Standorte zu reduzieren“, so Mag. Pfeiffer. Die Objekte wurden von der Pfeiffer Handels GmbH im Rahmen der Zielpunkt-Sanierungsmaßnahmen Anfang November erworben. „Das klare Ziel war es, durch die Übernahme der 70 Standorte von TREI Immobilien, Zielpunkt abzusichern und die zum Teil sehr hohen Mieten für Zielpunkt stark zu reduzieren. Die Verhandlungen laufen seit dem Frühjahr 2015, der Vertragsabschluss erfolgte am 3.11.2015 mit geplantem Erwerb im Jahr 2016. Die Transaktion steht noch unter kartellrechtlichem Vorbehalt wird voraussichtlich im Jänner 2016 abgeschlossen.
Wir waren davon überzeugt, dass wir es schaffen können, Zielpunkt zu sanieren. Der Kauf der Immobilien war ein Teil unseres Sanierungskonzeptes und seit mehreren Monaten – eben zur Absicherung von Zielpunkt – im Laufen und wurde jetzt abgeschlossen. Dass dies zeitgleich zur Feststellung der Zahlungsunfähigkeit von Zielpunkt passiert ist, ist ein unglücklicher zeitlicher Zufall“, so Mag. Georg Pfeiffer.

INTERVIEW: „Mit Zielpunkt ist ein Herzensprojekt von mir gescheitert“

Das Team vom Zielpunkt in Wiener Neudorf bei der Wiedereröffnung am 23.10.2015 | ©: Bernhard Schramm

Das Team vom Zielpunkt in Wiener Neudorf bei der Wiedereröffnung am 23.10.2015 | ©: Bernhard Schramm

Im Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH (Montag-Ausgabe) sagt Zielpunkt-Eigentümer Georg Pfeiffer zu den Vorwürfen, er lasse 2.700 Mitarbeiter vor Weihnachten ohne Job und Geld da stehen: „Ich war und bin bereit, Geld aus privaten Mitteln für einen Sozialplan zur Verfügung zu stellen.“ Das Problem sei aber, „dass ich das nicht darf“. „Das klingt jetzt absurd, aber rechtlich ist es nicht möglich, dieses zu tun, da damit eine Gläubigerbevorzugung gegeben wäre. Der Rechtsstaat in Österreich ist so, wie er ist – daran kann ich nichts ändern“, so Pfeiffer zu der Zeitung. Mit Zielpunkt sei ein „Herzensprojekt“ von ihm gescheitert.

Das Geld aus dem Verkauf der C+C-Großmärkte an die Schweizer Firma coop könne nicht zur Zielpunkt-Sanierung eingesetzt werden, „denn es steht uns erst ab Anfang 2016 zur Verfügung“, so Pfeiffer. Ein beträchtlicher Teil dieses Erlöses werde „für den Erwerb des TREI-Immobilienportfolios verwendet. Pfeiffer als Eigner verliert hier selbst, da einige schwer vermittelbare Standorte unter den erworbenen sind.“


Widersprüche und Ungereimtheiten

Für mich ergibt sich ein unrundes Bild von den Verantwortlichen Führungs Trio der Pfeiffer Gruppe. Denn man darf auch die Herren Dr. Erich Schönleitner und Mag. Markus Böhm, die Holding Geschäftsführer der Pfeiffer Handelsgruppe nicht vergessen.
Es sind etliche widersprüchliche Aussagen gefallen – man denke nur an:

  • bis vor ein paar Wochen war alles im Butter?
    Man eröffnete eine Filiale nach der anderen und bekam Auszeichnungen
    ABER: „… haben seit Jahren um Sanierung gekämpft…“
  • Noch Anfang November hatte die Geschäftsführung von Zielpunkt verlauten lassen, „die wirtschaftliche Entwicklung der Supermarktkette läuft besser als geplant„.
    ABER:  Wochen später behauptet man, es gebe „keine Alternative zur Insolvenz!“
  • „… konnten keine finanzielle Hilfe mehr anbieten, … Gesetz verbietet dies und das…“
    ABER: Den erst 2016 real verfügbaren Verkaufserlös (C+C) schon zuvor in wertlose Immobilien versenkt.
  • Rückzug auf ein paar Lokale Standorte, es gibt seit dem Zielpunkt Ende keine Bundesweite Aktivität mehr
    ABER: „Werden nun mit UNIMARKT führender Nahversorger in ganz Österreich!
Sie haben die nächsten Anstellungen längst in der Anzugtasche: Dr. Erich Schönleitner und Mag. Markus Böhm, Holding Geschäftsführer Pfeiffer Handelsgruppe | ©: Michael Hügel

Sie haben die nächsten Anstellungen längst in der Anzugtasche: Dr. Erich Schönleitner und Mag. Markus Böhm, Holding Geschäftsführer Pfeiffer Handelsgruppe | ©: Michael Hügel

Andererseits hat die Gruppe etliche innovative Impulse im Lebensmittelhandel und Gastronomie gesetzt. Man denke nur an das Engagement gegen Käfighaltung, für Bio, für bessere Arbeitsbedingungen bei Mitarbeitern mit Betreuungspflichten, kämpfte erfolgreich gegen Lebensmittelverschwendung usw …

Doch irgendwie kam das alles weder bei Konsumenten noch bei Mitarbeitern richtig an. Man schaffte es nicht sich für eine klare Linie der Märkte zu entscheiden: Der Kunde pendelte zwischen dem Paletten-Flair der Diskonter und dem Ambiente der modernen Feinkosttheke, welche zumindest hier in ausgewählten Märkten von Schirnhofer Produkten veredelt wurde.
Es gab viel billigsten Kram und zu viele Produkte welche alle Aufschriften trugen ausser der deutschen. Klar abgestimmt für Kunden anderer Nationalitäten, was man keinen zum Vorwurf machen kann der mittendrin sitzt in gewissen Vierteln.
Aber im selben Wühltisch wie der 1,- € Kram lagen auch hochwertige Sachen, leider schlecht präsentiert.

Wie auch immer, ich hoffe das ALLE Mitarbeiter das ihnen zustehende bekommen und das es irgendwie weitergeht…

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