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Reformvorschläge für AHS-Oberstufe

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Vergleichsweise geringe Abbruchquoten und generell guter Schulerfolg dokumentierten die hohe Qualität der AHS-Bildung, erklärte Kapsch:
„Die Schülerinnen und Schüler der AHS bringen hohe analytische und interdisziplinäre Kompetenzen mit. Allerdings können sie dieses Potenzial nicht voll ausnutzen.“ Als Ziele für die AHS der Zukunft fordere die IV daher, die allgemeinbildenden Inhalte mit einem sinnstiftenden, stärkeren Anwendungsbezug zu vermitteln und die Orientierung zu zukünftigen Ausbildungs- und Berufswegen zu verbessern. Dazu seien Reformen notwendig: Die Berufsorientierung und -beratung durch professionelle, externe Expertinnen und Experten müsse als eigenes Schulfach ausgebaut werden. Auch die Teilnahme an Lehrveranstaltungen weiterführender Bildungsangebote sowie Mentorinnen- und Mentorenprogramme an den Schulen und Hochschulen seien dafür anzudenken. Inhaltlich sollten die Lehrpläne der MINT-Fächer in Hinblick auf eine stärkere Praxisrelevanz in Wirtschaft, Wissenschaft und Lebensalltag weiterentwickelt werden. Dabei sei die wirtschaftliche Grundkompetenz der AHS-Schülerinnen und -Schüler stärker in den Fokus zu nehmen.

Lehre wieder aufwerten

„Die duale Berufsausbildung bzw. die Lehre ist ein wesentlicher Pfeiler des österreichischen Berufsbildungswesens. Sie bringt eine Berufsberechtigung mit sich und weist die stärkste Verbindung mit der Wirtschaft auf“, so Neumayer. Allerdings würden immer wieder Probleme der Lehrausbildung, wie z.B. die mangelnden Vorkompetenzen der Lehrlinge, öffentlich thematisiert. In der Spezialisierungsphase solle die Lehre ihren Stellenwert als gleichberechtigte und gleichwertige Berufsausbildung zurückbekommen. Dafür schlage die IV ein vollschulisches Berufsschuljahr als strukturierte, abgestimmte und sinnvolle Eingangsphase vor. Dieses integriere die Stärken der polytechnischen Schule und beende das „Absitzen“ des letzten Pflichtschuljahres in anderen Schultypen. Das Kennenlernen einer gewählten Gruppe von Lehrberufen solle die Vorkompetenzen der Jugendlichen deutlich erhöhen.

Qualität der BHS ausbauen

„Die BHS (berufsbildenden höheren Schulen) sind ein weltweit einzigartiges, hoch attraktives Bildungsangebot, das es zu stärken gilt“, so Neumayer. Insbesondere der Erwerb einer Doppelqualifikation – berufliche Ausbildung und Matura – erkläre den Erfolg dieses Bildungsangebots. Vor allem den Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) käme eine wichtige Rolle im österreichischen Berufsbildungssystem zu. Es müsse daher das Ziel sein, das erfolgreiche Modell der BHS in Abstimmung mit den Bedarfslagen von Wirtschaft und Industrie weiterzuführen und zu stärken. „Konkret sollten wir die Lehrinhalte und -strukturen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie und Wirtschaft abstimmen. Außerdem ist uns auch die Anerkennung bereits in der BHS bewiesener Kompetenzen und Lernergebnisse an Hochschulen ein Anliegen“, so Neumayer. Nicht zuletzt gelte es, die internationale Sichtbarkeit der BHS zu erhöhen:
durch die adäquate Positionierung der BHS auf Niveau 5 und der „Ingenieurin“ bzw. des „Ingenieurs“ auf Niveau 6 des Nationalen Qualifikationsrahmens könnten österreichischen Unternehmen mit diesen Qualifikationsprofilen im internationalen Wettbewerb reüssieren.

Feld der BMS bereinigen

„BMS haben die niedrigsten Erfolgsquoten und die höchsten Drop-out Raten der Sekundarstufe II“, betonte der IV-Generalsekretär. Die Abschlussklasse würden nur rund 45 Prozent eines Einstiegsjahrgangs erfolgreich abschließen. Außerdem seien BMS-Absolventinnen und -Absolventen von grundlegenden Veränderungen am Bildungs- und Arbeitsmarkt betroffen: von der Tertiärisierung der Ausbildungen bis zum Verdrängungswettbewerb am Arbeitsmarkt mit höheren Ausbildungen. Dennoch besäßen einige BMS, z.B. bestimmte technischen Fachschulen, für die Industrie hohe Relevanz, so Neumayer. Die IV fordere daher tiefgreifende Reformen auf Basis einer Evaluierung der BMS hinsichtlich ihrer Arbeitsmarktrelevanz und Funktion innerhalb des Bildungssystems. Darauf aufbauend sollten die bestehenden BMS-Typen entweder reformiert oder aufgelassen werden. Zukünftig sollten die BMS als vollschulisches berufsbildendes Angebot mit hohen Praxisanteilen eine Brückenfunktion zwischen dualer Ausbildung und BHS einnehmen. Sie sollten jeweils über einen eigenständigen, zentralen und standardisierten Abschluss und damit Zugang zu zumindest einem reglementierten Beruf als Ausgangspunkt für die weitere Bildungs- und Berufskarriere verfügen. Bildungsmodule und individuelle fachliche Schwerpunktsetzungen sollten der BMS der Spezialisierungsphase die Durchlässigkeit zur BHS und zur dualen Berufsausbildung sichern. Auf die BMS zugeschnittene Anschlussmöglichkeiten wie z.B. eine für die BMS adaptierte Berufsreifeprüfung sollten weiters die Einstiegsmöglichkeiten in weiterführende Bildungsangebote verbessern.

Umfassende IV-Bildungsstrategie „Beste Bildung“

Im Herbst vergangenen Jahres hatte die IV ihren ersten Baustein der Bildungsstrategie „Beste Bildung“ vorgelegt: „Wir haben nicht ohne Grund mit dem Pflichtschulbereich begonnen. Dort haben wir einfach die größten Schwierigkeiten. Ein funktionierender Pflichtschulbereich ist aber die Voraussetzung für jede weitere Stufe“, so Kapsch. Die neue Schule von „Beste Bildung“ sei eine in sich differenzierte gemeinsame Schule vom Schulbeginn bis zum Erreichen der mittleren Reifeprüfung. Die mittlere Reifeprüfung sei Basis und Voraussetzung aller weiteren Schulformen.

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