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Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November

„Wichtig, dass wir Stellen haben, wo Frauen hingehen können“

Am 25. November wird weltweit der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ begangen. Dieser bildet den Auftakt zur jährlichen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“, die am 10. Dezember – am Internationalen Tag der Menschenrechte – endet. Über das Thema „Gewalt an Frauen“ informierten heute Frauen-Landesrätin Mag. Barbara Schwarz und Elisabeth Cinatl, Sprecherin der Frauenberatungsstellen Niederösterreich, in der Frauenberatung Mostviertel in Amstetten.

Das Thema Gewalt an Frauen sei nach wie vor sehr aktuell, so Landesrätin Schwarz, die betonte: „Es ist ein Menschenrecht und somit auch ein Recht jeder Frau, anständig behandelt zu werden und nicht Gewalt ausgesetzt zu sein.“ Man nehme diesen Tag zum Anlass, um auch darauf aufmerksam zu machen, „dass Gewalt gegen Frauen auch in unserer unmittelbaren Umgebung passiert“. „Sie findet oft in den eigenen vier Wänden statt“, so Schwarz, die betonte, dass es für betroffene Frauen oft schwierig sei, aus der Gewaltspirale herauszufinden, da es mit sehr viel Scham verbunden sei, sich jemanden anzuvertrauen und weil die Angst vor weiterer Gewalt oft zu groß sei.

„Auch psychische Gewalt ist Gewalt“, betonte Schwarz, dass neben der sexuellen und körperlichen Gewalt auch Verhalten massiv verletzen könne. Daher sei es wichtig, dass Frauen, die Unterstützung brauchen, diese rasch und unbürokratisch bekommen und sich Frauen und ihre Kinder nicht allein gelassen fühlen. „Gewalttätigkeit in der Partnerschaft und im sozialen Nahraum kennt keine kulturellen und religiösen Grenzen, sie zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen“, so die Landesrätin. Mehr Gewalt gebe es bei unsicheren Lebensbedingungen, aber Gewalt sei überall möglich, auch in stabilen Verhältnissen, sogenannten „Bilderbuchfamilien“.

Laut einer europaweiten Studie betreffend Gewalt an Frauen von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, bei der 42.000 Frauen aus 28 EU-Staaten befragt worden seien, sei jede dritte Frau in der EU seit ihrem 15. Lebensjahr von physischer und/oder sexueller Gewalt betroffen gewesen, jede 20. Frau habe angegeben, schon einmal vergewaltigt worden zu sein. In Österreich sei jede fünfte Frau von körperlicher und/oder sexueller Gewalt bedroht, 15 Prozent der Frauen erlebten Stalking und 35 Prozent der Frauen hätten bereits eine Form der sexuellen Belästigung erlebt. Diese Zahlen zeigten, „wie wichtig es ist, dass wir Stellen habe, wie die Frauenberatungsstellen, wo Frauen hingehen können“, so Schwarz.

Neben der Soforthilfe für betroffene Frauen brauche es auch Präventivmaßnahmen wie eine Qualifizierung im Gesundheitsbereich, so die Landesrätin. Vor rund 15 Jahren habe man daher das Projekt „Gewalt gegen Frauen – Auswirkungen auf das Gesundheitswesen“ gestartet und Informations- und Schulungsmaßnahmen entwickelt. Bisher seien rund 5.700 Menschen aus dem Gesundheitswesen, der Exekutive, etc. geschult worden. Nächster Schritt sei nun „die Aufnahme des Themas in die Gesundheits- und Krankenpflege“. Es brauche eine verpflichtende Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte und die Aufnahme von häuslicher Gewalt in das Curriculum für den Gesundheits- und Krankenpflegebereich.

Die Sprecherin der Frauenberatungsstellen in Niederösterreich, Cinatl, sagte, dass man für das Thema Gewalt gegen Frauen sensibilisieren und dazu eine klare Stellung einnehmen müsse. Die von Landesrätin Schwarz angesprochene EU-Studie bedeute auf Niederösterreich umlegt, dass von den 670.000 in Niederösterreich lebenden Frauen 134.000 von physischer und/oder sexueller Gewalt betroffen gewesen seien. 2.763 Frauen seien in den Frauenberatungsstellen in Beratung. „Ich bin froh über jede Frau, die zu uns kommt, denn das heißt, sie unterbricht die Gewaltdynamik“, so Cinatl.

Die Wahrnehmung von Frauen, die Gewalt erleben, sei oft verzerrt, sie könnten das, was ihnen passiere, nicht mehr als Gewalt bezeichnen. Zudem würden Faktoren wie ökonomische Abhängigkeit dazu führen, dass man sich vom gewalttätigen Partner nicht trenne. Ein wichtiges Thema sei auch jenes, wie in den Medien über Gewalt berichtet werde. „Gewalt ist kein Streit“, hier müsse klar differenziert werden, so Cinatl. Zur Rechtfertigung des Täters, dass er mit Gewalt auf eine Provokation reagiert habe, sagte Cinatl: „Die Verantwortung für Gewalt liegt bei den Personen, die sie ausüben.“

Gewalt ist ein öffentliches Thema“, es sei nicht privat, daher habe sich auch der Staat einzumischen, so Cinatl. „Niemand bleibt gerne in einer Gewaltbeziehung“, betonte die Sprecherin der Frauenberatungsstellen, dass es ein Mythos sei, dass Frauen, die misshandelt werden, das wollten, weil sie sonst weggehen würden. Es sei keine Ausrede für einen erwachsenen Mann, dass er eine Frau schlage, weil er selbst in der Kindheit Gewalt erlebt habe. Alkohol sei keine Ursache von Gewalt, die Hemmschwelle werde dadurch nur niedriger. Man müsse Frauen unterstützen, ihre Wahrnehmung wieder zurechtzurücken, so Cinatl.

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