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Transitlager Leobersdorf: ein Sachlicher Diskussions-Abend

Infoveranstaltung Transitquartier Leobersdorf im Bloomfield Alle Fotos: Zib Ein Bild mit allen Beteiligten: Helfer, Kritiker, Organisatoren, Zuhörer und die um welche sich alles dreht - die Flüchtlinge

Etwa 400 Leute kamen am 29.10.2015 zur Infoveranstaltung „Transitlager Leobersdorf im Bloomfield“ ins Eventcenter Leobersdorf.  Zu diesem Diskussionsabend luden der RK-Bereichskommandant im Industrieviertel, Harald Frimmel, Vize.Bgm. Harald Sorger, NÖ-Landespolizeidirektor Hofrat Dr. Franz Prucher,  Leobersdorf´s Bgm. Andreas Ramharter, Bezirkshauptmann Dr. Heinz Zimper und Christian Blazek, der Betreiber des „Bloomfield“.
Jene hielten zuerst ihre Ansprachen und stellten die Themen zur anschließenden Publikumsdiskussion.

Etwa 400 Leute kamen zu der Infoveranstaltung Transitquartier Leobersdorf im Bloomfield

Etwa 400 Leute kamen zu der Infoveranstaltung Transitquartier Leobersdorf im Bloomfield

Der Beginn war nicht einfach, einzelne Redner wurden schnell mit Zwischenrufen aufmerksamer Besucher konfrontiert. So nannte Landespolizeidirektor Prucher statt den kolportierten 250 Flüchtlinge, eher beiläufig eine Zahl von 300 – was schnell zu einem erstaunten Raunen und Protestnoten führte.
Er konnte das jedoch schnell entschärfen: „Wir haben eh nur 250 Betten„.

Andere Podiumsgäste berichteten von der Organisation, der Arbeit und gaben einen allgemeinen Überblick zur Situation, welche man im Griff habe. Dennoch musste man aber einräumen, doch überrascht worden zu sein, immerhin war eigentlich der 1. November 2015 als Ankunftstermin der ersten Flüchtlinge avisiert.
Dies ist auch mit ein Grund für manche Kritikpunkte, es gibt etliches zu verbessern, die Abläufe müssen sich erst einspielen.

Doch für lange Reden war wenig Zeit, in den Reihen der Besucher hoben sich immer mehr Hände, man hatte ja auch was zu sagen. Und so begann die eigentliche Diskussion.

Emotionale Publikumsdiskussion

Es hagelte auch schwere Vorwürfe gegen Blazek

Es hagelte auch schwere Vorwürfe gegen Blazek

Den Anfang machten gleich die Kritiker des Projekts und Gegner der derzeitigen Asylpolitik.  Man brachte die Angst vor den, „in Scharen freilaufenden Flüchtlingen … die überall einbrechen“ zum Ausdruck. Eine konkrete Frage: „dürfen sich die Flüchtlinge frei im Ort bewegen?
Antwort: Die Sicherheit in Leobersdorf und Umgebung sei gegeben, aber ja, die Flüchtlinge dürften sich theoretisch frei bewegen wie jeder andere auch; Aber: „die sind ja viel zu schnell wieder weg, da ist keine Zeit zum rumlaufen im Ort“ sagte Bürgermeister Ramharter.
Ein Rot Kreuz Mitarbeiter bestätigte dies so: „Sie kommen oft spät Nachts, bekommen ein Abendessen und nach der Hygiene legen sie sich hin, schlafen sofort erschöpft ein. Die Nächte waren bisher ruhig, bei mir ist keiner über die Mauer geklettert. Morgens gibt´s Frühstück und dann fahren sie eh schon wieder weiter.

Reich mit Flüchtlingen?

Einer der zahlreichen Fragesteller aus dem Publikum

Einer der zahlreichen Fragesteller aus dem Publikum

Andere übten heftigste Kritik an Hrn. Blazek und warfen ihm Geschäftemacherei vor, die Frage nach dessen Verdienst tauchte immer wieder hartnäckig auf. Ev. auch weil der Bloomfield Betreiber dem immer geschickt auswich – wie seine Antwort zeigt: „zwar habe ich Bloomfield aus einem anderen Grund gekauft, doch jetzt ist es notwendig zu helfen. Wir haben extra ein WLAN eingerichtet und weitere Steckdosen installieren lassen damit die Flüchtlinge ihre Handy´s die sie dringend brauchen, laden können und wenigstens kommunizieren können
Hofrat Dr. Franz Prucher dazu: „Wir vom Land zahlen nicht viel! Reich wird er damit nicht…

Alle Einbrecher aus dem Lager?  – eine besondere Antwort des Polizeichefs

Landespolizeidirektor Hofrat Dr. Franz Prucher bei seiner emotionalen Rede

Landespolizeidirektor Hofrat Dr. Franz Prucher bei seiner emotionalen Rede

Auch angebliche Einbruchsopfer meldeten sich zu Wort, sie führten die Vorkommnisse auf das Transitlager, bzw. allgemein auf die Asylanten zurück.
Die Antwort des Landespolizeidirektors begann relativ sachlich: „Niederösterreich ist sicher, wir haben in NÖ genug Polizisten so viele wie nie und wir sind bestens ausgerüstet, die Verbrechen sind sogar zurückgegangen.“ Doch die Kritiker gaben sich damit nicht zufrieden. Darauf meinte Dr. Franz Prucher:
Wissen´s, diese Einbrecher sind keine Flüchtlinge sondern organsierte Banden aus Chile, was nicht grade ums Eck liegt…“

Dann lässt der wortgewandte Polizeichef einen Satz folgen der mit dem stärksten Applaus enden sollte. Er erzählte wie die Chilenischen Verbrecher nach Europa kamen, dort in allen Ländern ihr Unwesen trieben, nirgends hat man sie gefasst: Spanien, Frankreich, Schweiz, Lichtenstein, uvam. – (dabei ahmt er den typischen Dialekt eines jeden Landes nach) – „ ja, auch in Österreich gelang es nicht gleich. Aber sie machten einen Fehler – sie kamen nach NÖ, da haben wir sie schnell erwischt! 35 Leute sitzen hinter Gittern

Ein Einbruchsopfer ließ aber nicht locker: „Meinen Fall habt ihr damit leider noch nicht aufgeklärt. Und warum war am Sonntag der Gefängnisbus am Bloomfield Gelände und hat 3 Flüchtlinge mitgenommen?“ Das fand keine Antwort.

Gibts keine Alternativen – warum ausgerechnet Leobersdorf?

RK-Bereichskom. Industrieviertel Harald Frimmel, Vize.Bgm. Harald Sorger, Landespolizeidirektor Hofrat Dr. Franz Prucher, Bgm. Andreas Ramharter, BH Dr. Heinz Zimper, Fr. Stockreiter und Christian Blazek

RK-Bereichskom. Industrieviertel Harald Frimmel, Vize.Bgm. Harald Sorger, Landespolizeidirektor Hofrat Dr. Franz Prucher, Bgm. Andreas Ramharter, BH Dr. Heinz Zimper, Fr. Stockreiter und Christian Blazek

Warum hat man nicht die Martinek Kaserne genommen?“ lautete eine Frage – die Antwort fiel auch kurz aus: „Dort wurden die Sanitäranlagen und andere Einrichtungen raus gerissen, das wäre so unbenutzbar„.  Und weil es hier in Leobersdorf besser mit den Autobahnanschlüssen sei als in Baden. Letzterem wurde natürlich sofort widersprochen. Auch das Argument wegen der Nähe zum Krankenhaus Baden wäre für Baden zutreffender als Leobersdorf.

Der nächste fürchtete das „uns die Muslime überrennen, das die Abendländische Kultur untergeht“ und er nicht weiß was er seinen Enkelkindern einmal sagen soll warum dies alles so gekommen sei? Doch das er das als Feststellung in den Saal rief, ließ man das auch unkommentiert.

Doch die meiste Angst hatten die Leute davor: „Was wenn Deutschland plötzlich die Grenzen dicht macht?“ Die Antwort gab man sich gleich selbst: „Dann bleiben auch hier, in Leobersdorf die Flüchtlinge hier, das Bloomfield wird zu einem Dauerlager…
Eine Antwort darauf ist, selbst für die erfahrenen Podiumsgäste, nicht einfach. Denn Fragen wie nach „was wäre wenn“ sind natürlich schwer zu beantworten, es kann sich in der Welt, in Europa, beim Nachbarland oder sonstwo jederzeit etwas ändern und man muss darauf reagieren.

Doch trotz der heftigen Kritik, die ev. tw. aus berechtigter Angst entstand, überwiegten doch die positiven Meldungen deutlich!

Eine Ärztin bietet Hilfe an

Eine Ärztin bietet Hilfe an

Eine Ärztin, Eva S. meinte: „Ich will helfen und meinen Enkelkindern einmal sagen können, wie human wir Österreicher uns in dieser Krise verhalten haben!

Der Samariter Bund würde auch gern mehr helfen und man wünschte „das Rotes Kreuz und der Samariter Bund würden besser zusammenarbeiten.“

Ex-Bgm. Anton Bosch meinte noch: das ein ehemaliges Altersheim in Baden in  der Wr. Straße vielleicht ebenfalls ein Transitlager werden wird. Wo ca. 300 Menschen Platz  finden könnten.

Doch auch jene die helfen wollen,  sehen manche Dinge kritisch: „Warum können nicht die Supermarktketten zb. Lebensmittel spenden anstatt täglich Tonnen davon in die Tonne zu schmeissen?“ Ein Vertreter des Handels verneint diese – man werfe nichts weg… (Anm. zib: Aber das ist eine eigene Geschichte und dieses Statement des Handels ist Anlaß genug um der Sache einmal näher nach zu gehen – denn die Aussage stimmt so nicht.)

Leobersdorfs Bgm. Andreas Ramharter

Leobersdorfs Bgm. Andreas Ramharter

Detail am Rande: Der Bürgermeister und das Rote Kreuz konnten zum Bäcker im Ort gehen und die Semmeln für die Flüchtlinge zu bestellen. Danke dem Bäcker, er hat sich bereit erklärt schnell zu arbeiten, sofort am ersten Wochenende wurde eifrig gebacken.

Es folgten viele Bekundungen zur Mithilfe, es meldeten sich genug Menschen, von Schülern bis Pensionisten, von Kleidungssortierer bis zum Arzt, alle sind wertvoll. Viele wollen ihre Fähigkeiten in den Dienst der Sache stellen, auch wenn sie nichts damit verdienen.

 


 

Danke an alle Besucher für die richtigen Fragen und die Kritik
Danke an die Redner am Podium die sich der Diskussion gestellt haben.
Danke vor allem den freiwilligen Helfern des Roten Kreuzes und allen Privatpersonen!

Es ist wichtig das alles Menschlich, Sachlich bleibt und auch die Deeskalation bei bereits bestehenden Konflkten ist wichtig. Die Menschen müssen in diesen Zeiten Sicherheit spüren, egal ob es Einheimische oder Ausländer sind. Diese Hilfe trägt dazu bei, aber auch die Argumente warum man das tun sollte.  Diese Sicherheit sollten alle spüren, auch die welche sich gegen Flüchtlinge und möglicherweise überzogenen Hilfsaktionen wenden.

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