Gratis-Zahnspange in Salzburg steht vor dem Aus

jarmoluk / Pixabay

Salzburger Kieferorthopäden verweigern als einzige in Österreich die Behandlung.

2015 wurde sie unter großem Applaus mit einem bundesweit einheitlichen Vertrag mit gleichen Bedingungen in ganz Österreich eingeführt – die Gratis-Zahnspange. Für Salzburg waren ursprünglich 12 Kieferorthopäden mit Vertrag vorgesehen.
Die SGKK hat, um eine regional bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, erst im Frühjahr um eine Stelle im Lungau aufgestockt.
Die Erfolgsbilanz der ersten drei Jahre spricht für die Maßnahme: Seit Einführung profitierten über 3.800 Kinder von der Gratis-Zahnspange, viele davon hätten sonst keine Behandlung vornehmen können. Das Ziel dieser Maßnahme – eine Zahnspange auch für jene Familien, die es sich eigentlich nicht leisten können – war damit erreicht.

Dieses Angebot steht jetzt vor dem Aus. Die Salzburger Vertrags-Kieferorthopäden kündigten der SGKK bereits Ende Juni ohne jegliches Vorgespräch und ohne konkrete Angabe von Gründen mittels einem standardisierten Schreiben den Vertrag (Kündigungsfrist drei Monate – daher endet er mit 30.9.).  Seither versucht die SGKK Gespräche zu führen, vor allem auch um Übergangsregelungen für die über 1500  Kinder und Jugendliche zu besprechen, die sich bereits mitten in der Behandlung befinden. Sämtliche  Gesprächsangebote wurden abgewiesen, auch das Angebot zu einem Klärungsgespräch mit externem Mediator. Weitere Lösungsvorschläge seitens der SGKK blieben bis dato unbeantwortet. Selbst Vermittlungsversuche aus Wien verhallten bis jetzt ohne Gehör.

Medial begründet wurde die Kündigung bisher damit, dass die vertraglichen Rahmenbedingungen „schikanös“ seien. Dies ist erstaunlich, da es sich um einen bundesweiten Vertrag handelt und die Kieferorthopäden in allen anderen acht Bundesländern mit diesem Vertrag arbeiten. Verhandelt wurde er zwischen dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherung und der österreichischen Zahnärztekammer für alle Kieferorthopäden (auch der Salzburger Zahnärztekammer-Präsident war federführend dabei).

Es stimmt, in einzelnen Fällen gab es unterschiedliche Meinungen zwischen der SGKK und Kieferorthopäden. Es ging dabei um die Frage der Einstufung, also ob ein Kind die Gratis-Zahnspange erhält oder nicht. Die SGKK sprach sich in diesen Grenzfällen für die Versicherten aus und versuchte mittels Gespräch mit dem Kieferorthopäden die Gewährung der Gratis-Zahnspange zu ermöglichen. Ansonsten hätten die Familien nur einen Teil der Behandlungskosten rückerstattet bekommen.

„Wir haben uns in diesen wenigen Einzelfällen dafür eingesetzt, dass die Kinder eine Gratis-Zahnspange bekommen. Unabhängig davon, ob wir damit im Recht waren oder nicht: Rechtfertigt das, dass man die Versorgung für alle Kinder verweigert? Es gibt genau dafür eine Clearingstelle um diese Problemfälle zu diskutieren.“ fragt sich SGKK-Obmann Andreas Huss. „Wir sehen eindeutig einen Zusammenhang mit dem Geld. Im Wahlbereich können Kieferorthopäden einfach mehr verlangen als sie für die Gratis-Zahnspange von der Krankenversicherung erhalten. Nur: Für die Salzburger Kieferorthopäden müssen die 3.612 Euro pro Zahnspange reichen, es  ist der gleiche Betrag wie in allen anderen Bundesländern – und auch der übliche Preis in Deutschland. Dieses Beispiel gibt uns einen Vorgeschmack darauf, was uns künftig mit der ÖGK blüht. Bundesweite Verträge, regionale Unzufriedenheit der Ärzte und Versorgungsunsicherheit für Versicherte. Da soll mir noch einmal jemand erklären, dass sich für die Bundesländer nichts zum Schlechteren ändert.“

Bis zum Donnerstag, 27.9. haben die Kieferorthopäden noch Zeit, um den Lösungsvorschlag der SGKK für alle begonnen Behandlungen der Gratis-Zahnspange und das Verlängerungsangebot bis Ende des Jahres anzunehmen. „Damit hätten wir einige Monate Zeit, um in Ruhe wieder zu einem Gespräch zu finden. Ich appelliere an die Kieferorthopäden, nicht die Interessen unserer Kinder ihren finanziellen Gewinnerwartungen zu opfern“, richtet Obmann Huss eine große Bitte an die 13 Kieferorthopäden.

Quelle