Lungentransplantationen Information für Patienten

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Lungentransplantationen: Unterschiedliche Honorargestaltung in der Sonderklasse.

Bei Selbstzahlern sind höhere Tarife möglich – Ärztekammer fordert Aufklärung, warnt aber vor medialen Vorverurteilungen.

Honorarnoten für Versicherte inländischer Privatversicherungen können in der Höhe anders ausfallen als jene für ausländische Selbstzahler.
Darauf weist die Wiener Ärztekammer im Zuge der aktuellen Diskussionen rund um Rechnungen an Lungentransplantierte im Wiener AKH hin. Gleichzeitig warnt die Ärztekammer vor medialen Vorverurteilungen.

Mit den inländischen Privatkrankenversicherungen gibt es von der Ärztekammer für die Ärzteschaft verhandelte Tarife, an die sich alle Ärztinnen und Ärzte halten müssen, wenn der Patient bei einer österreichischen Privatkrankenversicherung versichert ist.

Für Patienten, die auf Sonderklasse liegen und über keine inländische Privatkrankenversicherung verfügen – üblicherweise sind das ausländische Patienten – kann der leitende Arzt gemäß Wiener Krankenanstaltenrecht frei bestimmen, was verrechnet wird.
Dabei sind Aufschläge auf den Tarif der österreichischen Privatkrankenversicherungen üblich. Mit dem Patienten wird eine Gesamtsumme für alle medizinischen Leistungen vereinbart, die dann auf sämtliche involvierten Ärztinnen und Ärzte des Krankenhauses entsprechend aufgeteilt wird.

Zahlenmäßig fallen die sogenannten Selbstzahler wenig ins Gewicht:
Insgesamt 5 Prozent der Patienten in den Spitälern der Stadt Wien beispielsweise liegen auf Sonderklasse, und von diesen 5 Prozent sind wiederum lediglich 5 Prozent Selbstzahler, insgesamt also 0,25 Prozent oder ein Selbstzahler pro 400 stationäre Patienten.

In der aktuellen Causa selbst fordert die Ärztekammer eine sachliche und lückenlose Klärung der Vorwürfe. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres spricht sich dabei aber massiv gegen „Vorverurteilungen von Ärztinnen und Ärzten“ aus. Wenn es Verdachtsmomente gebe, müssten diese aber geklärt werden. Daher werde die Ärztekammer, sobald sie Unterlagen zum aktuellen Fall habe, den Ehrenrat mit der Causa befassen. (hpp)

(S E R V I C E – Die zwischen Ärztekammer und Privatkrankenversicherungen ausverhandelten ärztlichen Tarife sind auf der Homepage der Ärztekammer allgemein zugänglich
https://www.aekwien.at/sonderklasse-info.)

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Ärztekammer zu KAV-Wartelisten: „Intransparenz in höchstem Ausmaß“

Scharfe Kritik für Entscheidung von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker – Weismüller: „Patienten tappen völlig im Dunkeln“

Mit heftiger Kritik reagiert die Ärztekammer in Bezug auf die Entfernung der OP-Wartelisten von der Website des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV).
Für Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, ist der Schritt von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker „in höchstem Maße intransparent und schädigend für das Unternehmen KAV“.

„Stadtrat Hacker fordert, man solle nicht ständig schlecht über das Wiener Gesundheitssystem sprechen. Offenbar greift das nun auch in der Patientenkommunikation des KAV und es darf gar nicht mehr darüber gesprochen werden“, kommentiert Weismüller die Zensur auf der KAV-Website.

Die OP-Wartelisten, die sehr hohe Wartezeiten auf ausgewählte OP-Termine auswiesen, sind für die Ärztekammer Beleg des Personalmangels und des desolaten Zustands des KAV allgemein. Weismüller: „Die jüngsten Handlungen von Hacker in puncto Gesundheitsversorgung zeugen von einem schweren politischen Realitätsverlust und offenbar auch mangelnden Systemkenntnissen.“

Der ebenfalls verzweifelte Versuch von Hacker zuletzt, Beweisfotos von Gangbetten im Donauspital als „distanzlos“ zu bezeichnen und damit das eigentliche Problem völlig unkommentiert zu lassen, bestätigen für Weismüller nur die derzeitige Doktrin der „Schönrederei“ im Rathaus.

Es wäre daher aus Sicht der Ärztekammer „höchste Zeit für Hacker“, die Realität zu akzeptieren und Geld in die Hand zu nehmen, mit dem er die Probleme rasch lösen könnte. „Wir brauchen akut 300 ärztliche Dienstposten mehr sowie eine Akutinfrastrukturmilliarde, um einerseits die Versorgung ausreichend zu gewährleisten und andererseits die IT und die Gebäude im KAV zu modernisieren“, fordert Weismüller.

Quelle: apa. ots

Patientenvertreter bekräftigen Vertrauen in österreichisches Transplantwesen.

Appell an Medien, Betroffene nicht zu verunsichern, dafür die Anliegen der Patienten mehr zu berücksichtigen. Bewusstsein für Transplantationen muss gestärkt werden.

Angelika Widhalm, Vorsitzende des Bundesverbands Selbsthilfe Österreich (BVSHOE) und Obmann Thomas Tost, Österreichischer Verband der Herz- und Lungentransplantierten (HLuTX), sprachen im Namen der Patientinnen und Patienten dem Transplantwesen in Österreich das vollste Vertrauen aus. Allerdings hat die Medienberichterstattung der letzten Tage bei Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige zu einer starken Verunsicherung geführt. Deshalb hat der BVSHOE und der HLuTX heute Donnerstag 24.10.2019 zu einer Pressekonferenz geladen, um die Auswirkungen und Sichtweise der Betroffenen darzustellen.

„Bei den Patientenvertretungsorganisationen laufen derzeit die Telefone heiß, weil Betroffene, die auf Transplantlisten stehen, verunsichert sind, ob sie noch ein lebensrettendes Organ bekommen“, schildert Widhalm. Sie warnt vor den Folgen einer Beschädigung des Rufs des österreichischen Transplantwesens. „Das würde in letzter Konsequenz die Transplant-Versorgungssituation der heimischen Bevölkerung drastisch beeinträchtigen. Diese ist nach meinem derzeitigen Kenntnisstand exzellent und darf sich auf keinen Fall verschlechtern“, betonte Thomas Tost. Mit einer Überlebensrate von über 98 Prozent und einer 5-Jahres-Überlebensrate von über 70 Prozent im Lungenbereich, gehört das heimische Transplantationswesen zu den führenden weltweit. Im Durchschnitt werden in Österreich 120 Lungen pro Jahr transplantiert, davon rund 110 in Wien am AKH, die restlichen Eingriffe werden in Innsbruck durchgeführt.

„Die in den Medien immer wieder zitierten Twinnings-Abkommen, bilaterale Abkommen Österreichs mit nicht am Eurotransplantsystem angeschlossenen Ländern, führen insgesamt zu einer Erweiterung der verfügbaren Organe. Davon profitieren heimische Patientinnen und Patienten auf der Warteliste“, betont Ernst Leitgeb vom BVSHOE. Daher begrüßen die Patientenorganisationsvertreter diese Abkommen.

„Uns als Patientenorganisationsvertreter steht es nicht zu, die organisatorischen Aspekte der aktuellen Diskussion zu beurteilen. Allerdings sind wir froh, dass das AKH-Wien und Vertreter des Transplantwesens in Österreich auf die Medienberichterstattung sofort mit voller Transparenz reagiert haben, denn das stärkt unser Vertrauen“, betonte Widhalm. Alle drei Sprecher und anwesende Patienten und Vertreter von Transplantgruppen betonen einhellig, dass Medienberichterstattung und gute Recherche bei Gesundheitsthemen wichtig und notwendig ist. Allerdings dürfe man nicht vergessen, welche Auswirkungen die Berichterstattung auf den emotionalen Ausnahmezustand von Patientinnen und Patienten, die zu einer Transplantation anstehen, sowie die gesamte Bevölkerung hat. „Jeder kann schon morgen in der Situation sein, dass er oder jemand aus dem Familienkreis ein Organ benötigt. Jede Organspende rettet Leben! Daher muss das Bewusstsein für Transplantationen in Österreich gestärkt werden“, betonte Angelika Widhalm abschließend.

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Quelle: apa.ots

 

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