Ein „Quantum“ Browser – der beste Firefox aller Zeiten?

Fitness-Kur für schlaue Füchse beginnt schon im Winter!

Firefox Quantum
Firefox Quantum - ein Quantensprung der Browserentwicklung? | © mozilla / CC BY-SA 3.0

Ab Firefox 57 „Quantum“ erleben wir die evtl. größte Revolution eines Browsers die es je gab. Doch kann jeder dann noch sagen „gefällt mir“? Oder wird Otto Normaluser von diesem Quantensprung überrollt – denn es bleibt kein Pixel auf dem anderen …

Wer liest schon Experten-Blogs?

Trotz des Umstands das ich, der Autor dieser Zeilen in einen der vielen Nebenjobs Webentwickler ist, werde ich mich bemühen, diesen Beitrag ohne zu viele fach-chinesische Anglizismen zu verfassen. Denn kein normaler Benutzer des Webs liest die 1000-en Fach-Dossiers der Experten – sondern will auch nach einem „völlig überraschenden“ Update wie gewohnt weiter surfen.

Firefox Quantum
Die Optik, va. die Symbole, Tabs des neuen FF ab 57 sind etwas eckiger als früher | © mozilla/screenshot zib

Letzteres wird auch der Grund sein, warum sich ab 14.11.2017 Millionen von Firefox Nutzern wundern werden, warum ihr Lieblings-Browser plötzlich recht kantig daher kommt, warum die Buttons nun woanders sind und ganz schlimm: Erweiterungen fehlen!

Und es sind Millionen – genauer gesagt ca. 450 Mio. Menschen nutzen MOZILLA´s Firefox. Der feurige Fuchs hat damit einen Marktanteil von ca. 30 %.

Versierten Usern wird auffallen: „Das war doch mal mehr?“ Stimmt! Der schlanke und erweiterbare Browser war schnell zum Marktführer geworden.

Doch gegenwärtig gibt ein anderes Produkt eines Global-Players mit gewaltigen Ressourcen den Ton an, satte 60 % munkelt man, haben Googles „Chrome“.

Fitness-Kur für schlaue Füchse beginnt schon im Winter

Firefox Quantum
Das Innenleben, wie zB. die Einstellungen erinnern an Chrome – macht aber nix | © mozilla/screenshot zib

Aber Chrome ist schnell und trotz der heute verfügbaren Bandbreiten und Ressourcen der Endgeräte – zählt jede Millisekunde beim Seitenaufbau. Firefox wurde, ev. auch aufgrund unzähliger Erweiterungen, „Add-ons“ zum „Fettfuchs“ degradiert und verlor Anteile.

Nun baute MOZILLA den Browser neu auf. Eine neue Rendering-Engine namens „Quantum“ und eine ebenso schnell klingende, neue Bedienoberfläche namens „Photon“ sollen der Nr. 2 am Markt wieder an die Spitze bringen.

Doch der neue Motor usw. allein reicht nicht, wenn man mit Ballast überladen ist! Daher fielen viele der bremsenden Erweiterungen – was nicht allen ein „Gefällt mir“ entlocken wird.
Aber so fangen Firefox User eben schon im Winter mit der Entschlackungskur an …

Der schnellste Browser aller Zeiten

Erst nach dem Gejammere um fehlende Add-ons wird auffallen, wie schnell der immer schon beste Browser jetzt ist!
Ja, ich kann die Messungen der Fachpresse nur bestätigen. Man braucht dazu keine speziellen Testsites, nein, man erinnert sich evtl. an irgendeine Website, die sonst recht lahm kommt und steuert sie mit dem neuen Firefox „Quantum“ an. Der Unterschied sollte gewaltig sein!

Dazu kommt das mir wichtigste Feature: Tabs in eigenen Prozessen. Dh. wenn etwa eine Site in einem Tab hängen bleibt, reißt das nicht mehr den gesamten Browser mit den anderen 10 geöffneten Tabs ins Nirvana – sondern man verabschiedet den blockierenden Prozess der genau diesen einen Tab betrifft.
Kann man im Task Manager sehen, wo dann mehrere „Firefox.exe“ Instanzen drin stehen.

Firefox Quantum
Gut zum Testen: Die Installation der Nightly Version erfolgt automatisch in einem eigenem Pfad, hier: C:Program FilesNightly | © mozilla/screenshot zib

Wie testet man das, wenn der erst am 14.11 erscheint? Nun, seit jeher gibt es (nicht nur bei Browsern) Vorab-Versionen, beim Firefox Hersteller MOZILLA zB. die  „Nightly“ Version. Oder die üblichen „Beta„-Versionen.
Fachleute, Entwickler, Presse, usw. haben noch andere Zugänge zum Testen, aber hier wollen wir ja „Otto Normaluser“ im Blick halten.

So kann sich jeder ein Bild vom FF 57, bzw. dessen Nachfolgern machen und seinen gewohnten, „alten“ Fuchs noch ein wenig nutzen. Aber HALT! Wenn ich den neuen installiere, ist der alte doch weg! Oder?

Parallele Installation

Wer sich den „Nightly“ holt, ist sicher, denn der installiert sich ohnehin in ein eigenes Verzeichnis, ja sogar in eine andere „Abteilung“- nämlich gesellt sich FF ab nun zu den „64-bit“ Programmen. Bisher fand man den Firefox meistens in „C:\Program Files (x86)\Mozilla Firefox“ – doch der Nacht-Fuchs versteckt sich in „C:\Program Files\Nightly“.

Firefox Quantum
Installationsversuch der Betaversion: Firefox Quantum lies sich nicht in ein benutzerdefiniertes Verzeichnis installieren | © mozilla/screenshot zib

Dh. die bisherige Version sollte völlig normal weiter laufen!
Ich habe zusätzlich noch ein zweites Test-Profil nur für FF 57 angelegt und die Startparameter des Desktop-Symbols verändert – aber dies würde hier zu weit führen. Wen es dennoch interessiert:  Hier mehr dazu.

Anders ist es mit der „Beta“ Version, dies klappte beim Test nicht, hier ließ sich nicht einmal ein anderer Installationspfad wählen. Das Setup wollte die bestehende Instanz aktualisieren und gar die Erweiterungen und Einstellungen zurücksetzen. Das habe ich natürlich abgebrochen.
(Wahrscheinlich aber hätte der sich dann doch auch ins 64-bit Verzeichnis installiert?)

Wo sind meine Erweiterungen???

Das wahrscheinlich größte Problem wird das Fehlen „lebenswichtiger“ Add-ons werden. Denn hier hat MOZILLA rigoros aufgeräumt und so funktionieren nur sichere Erweiterungen mit bestimmten Qualitätsmerkmalen. Da noch nicht jeder Add-on Entwickler aufgerüstet hat, fehlen deren Zusatzprogramme eben.

Firefox Quantum
Das neue, im FF eingebaute Screenshot-Tool erfasst wahlweise ganze Seiten oder Ausschnitte | © mozilla/screenshot zib

Es gibt nun folgende Möglichkeiten:

  1. warten, bis es diese Add-ons auch für FF ab Version 57 gibt, die meisten arbeiten eh daran
  2. auf die eine oder andere Erweiterung verzichten, nicht alle sind wirklich lebenswichtig
  3. sich eine Alternative suchen – es gibt fast immer eine … bzw. sucht Mozilla auch mit
  4. Den neuen FF per Konfiguration zur Annahme alter Add-ons überreden (für Profis: extensions.legacy.enabled – ob es hilft? ev. zur Installation, aber weiter?)
  5. Die neuen, integrierten Tools zu testen, wie zB. das Screenshot-Tool uvam. wo früher ein Add-on werkte.

Das Fehlen einiger Add-ons ist jedenfalls kein Grund, sich nun einen anderen Browser zu suchen.

Sicher, jene versierten User die sich „ihren“ FF bewusst mit, für sie wichtigen Erweiterungen tunen, haben FF genau wegen dessen Anpassungsfähigkeit gewählt. Selbst als andere Browserhersteller dieses Prinzip kopierten, blieben wir bei Mozillas Firefox.

Man muss aber auch bedenken, das die Mehrheit der Firefox Nutzer gar keine Add-ons drauf hat, dass sehr viele gar nicht wissen welche drauf sind – diese bemerken es nicht einmal wenn was fehlt.
Denn das fehlende Add-on ist evtl. ohnehin unerwünscht im Browser gelandet, hat eh nur gebremst und nach Hause telefoniert.

Ein Problem wird, wie so oft der Business Bereich. Denn zum einen ist hier kaum Zeit für Umstellungen, fürs suchen von Alternativen und zum anderen sind oft wirklich unverzichtbare Add-ons installiert. Diese eine Erweiterung war gar der Grund im Unternehmen FF zu installieren – und nun ist sie weg.

Ich selbst habe auch so eine, es ist das (von uns gar finanziell unterstützte) Web Developer Add-on von chrispederick, welches beim Webdesign ungemein nützlich ist. Da kann der Browser noch so viele Entwicklertools eingebaut haben, diese Erweiterung ist halt echt wichtig. Wie zu erfahren, wird aber daran gearbeitet. Danke Chris!

Wichtige Sites zum Thema: