Statt Panik das Beste aus der Krise machen

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Bundesverband für Psychotherapie appelliert, in der Krise auch eine Chance zu sehen

Zeit im Blick, so arbeitet Psychotherapie: Den alles ist auch Transformation, Erneuerung, Wandel!

Bei vielen Menschen werden derzeit aufgrund der aktuellen Coronavirus-Situation Sorgen und Ängste akut.
Das sind einerseits Sorgen um den gesundheitlichen Zustand, die medizinische Betreuungssituation, aber auch Enttäuschung über abgesagte Veranstaltungen und Bedenken, sozial abgeschottet zu sein, wenn man nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen darf bzw. Freunde und Familien nicht treffen sollte.
Es ist schon eine spezielle Situation, soziale Kontakte zu reduzieren, keine Familientreffen abzuhalten, nicht zum Sport zu gehen etc.

Wie bei allen Krisen gilt es auch hier, Alternativen zu finden.
Heutzutage gibt es glücklicherweise einige Möglichkeiten, gut in Kontakt mit seinem Umfeld zu bleiben.
Man kann die Zeit nutzen, um wieder längere Telefongespräche zu führen – Videotelefonie ermöglicht es, sich dabei auch zu sehen.

Ein guter Weg aus einer deprimierten Stimmung zu kommen ist, sich daran zu erinnern, welche Krisen man selbst oder auch zusammen mit Freunden und Familienmitglieder bereits bewältigt hat.
Was hat damals geholfen?
Wie kann man die Erfahrungen von damals auf die jetzige Situation adaptieren, dass sie hilfreich sind?

Jede Krise hat auch etwas Positives.
Die Menschen können diese unfreiwillige Entschleunigung als Möglichkeit sehen, wieder mehr Zeit für Dinge zu haben, die sonst im Alltag zu kurz kommen.
Sei es Zeit dafür zu haben, ein Buch zu lesen, Spiele zu spielen mit den Kindern, gemeinsam Fernsehen oder beispielsweise Ausmisten zu Hause und den Kasten neu sortieren.
Man darf nicht vergessen, dass dies Dinge sind, die einem gut tun und somit ein Gewinn in der Krise sind. Man kann die Zeit somit auch nutzen, positiv nach vorne zu schauen und sich darauf zu freuen, was man nach dieser Zeit wieder alles machen wird bzw. mit wem man Zeit verbringen wird.

Es eine wichtige menschliche Erfahrung, dass alles was bewältigt, gemeistert und geschafft wird, das persönliche Selbstvertrauen stärkt, vor allem aber den Zusammenhalt in der Familien, dem Freundeskreis, der Gemeinde und letztendlich des ganzen Landes stärkt.

Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) empfiehlt in dieser durchaus ernstzunehmenden Krisensituation dennoch nicht in Panik zu verfallen.
Es gilt zu bedenken, dass die medizinische Versorgung in Österreich sicher gestellt ist ebenso der Vorrat an Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs.
Laut Bundesregierung ist das Budget so bemessen, dass die sozialen Maßnahmen und deren Finanzierung gesichert ist.

Familienleben in der Ausnahmesituation

Kinderschutzexpert*innen der möwe geben hilfreiche Tipps, wie das Familienleben in den nächsten Wochen gut gelingen kann

Ab kommender Woche sind 1.402.000 Familien mit kleineren und größeren Kindern in ganz Österreich von den von der Regierung gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Corona Virus direkt betroffen.

Während es jetzt gilt, für die Zeit nach den Schulschließungen die Betreuung der Kinder zu organisieren, machen sich die Kinderschutzexpert*innen der möwe Kinderschutzzentren schon Gedanken darüber, wie sich die neue Situation auf das Zusammenleben in den Familien auswirken wird. „Wir wissen, dass familiäre Konflikte bis hin zu häuslicher Gewalt in Krisenzeiten und bei einem langen Miteinander auf engstem Raum drastisch zunehmen,“ sagt Mag.a Hedwig Wölfl – Psychologin und Leiterin der Kinderschutzorganisation möwe. „Ängste, aber auch Langeweile durch die Reduktion der sozialen Kontakte können zu Überforderung aber auch Aggressionen führen“.

Die möwe hat folgende Tipps, wie das Familienleben in dieser Ausnahmesituation trotzdem gelingen kann:

1. Altersentsprechende Information

Durch Nichtwissen können Unsicherheit, beunruhigende Fantasien und Ängste zunehmen, die oft zu unüberlegten Handlungen bis hin zu Panikreaktionen führen. Seriöse Informationsquellen können Aufklärung geben. Wichtig ist es, die Kinder ihrem Alter und Entwicklung entsprechend zu informieren – dabei können auch Illustrationen helfen.

2. Entängstigung

Es ist hilfreich, mit den Kindern zu thematisieren, warum die Quarantänemaßnahmen getroffen wurden, aber gleichzeitig auch, ihnen zu vermitteln, dass sie zu Hause vorerst in Sicherheit sind und dass die Situation auch irgendwann wieder vorbei sein wird. Für viele Menschen ist das Nicht-vorhersehen- Können eine große Belastung. Diese Art der Unsicherheit ist psychologisch gesehen eine natürliche Reaktion auf eine begründete und berechtige Sorge. Gegen Angst helfen Informiertheit und sinnvolles Tun.

3. Geregelte Abläufe

Die Strukturierung des Tagesablaufs mit den Kindern ist wichtig. Es sollten ganz bewusst Zeiten definiert werden, in denen die Aufgaben für die Schule gemacht werden und solche, in den gespielt oder gelesen werden darf. Zusätzlich können dem Kind je nach Alter Aufgaben zugeteilt werden, mit denen es dabei hilft, den Haushalt in dieser Ausnahmesituation „am Laufen“ zu halten.

4. Gemeinsame Aktivitäten

Auch zu Hause kann gemeinsam etwas unternommen werden. Das Mittagessen, an dem alle mitgewirkt haben, findet bei Tisch gleich viel mehr Anklang. Gesellschaftsspiele, eine gemeinsame Fitnesseinheit nach einem Youtube-Video oder der Film, den alle schon lange sehen wollten. Gemeinsame Aktivitäten sollen bewusst geplant und durchgeführt werden.

5. Auszeiten nehmen

In einer beengenden Situation braucht es auch Auszeiten. Ein Rückzug in ein anderes Zimmer für eine halbe Stunde oder eine warme Dusche können schon helfen, dass sich eine aufgeladene Stimmung wieder beruhigen kann. Auch Kindern kann eine Auszeit nicht schaden. Ein bisschen alleine spielen, etwas zeichnen oder basteln oder im Bett liegen und ein Buch lesen, können die innere Stärke der Kinder fördern.

6. Kontakte halten

Wir alle brauchen den Kontakt zur Außenwelt und gute Beziehungen miteinander. Soziale Bindungen können in Ausnahmesituationen auch über geografische Distanz gestärkt werden. Im 21. Jahrhundert gibt es einige Möglichkeiten, sich auch ohne persönliche Begegnung – zum Beispiel durch Telefon oder Internet – auszutauschen. Mit der Oma oder der Schulkollegin zu skypen kann schnell Entlastung bringen, wenn die Stimmung am Nullpunkt ist.

7. Hilfe holen

Wenn die Situation in der Familie zu eskalieren droht oder Spannungen gewalttätig werden ist es wichtig sich auch professionelle Hilfe zu holen. Für Kinder und Eltern sind Beratungseinrichtungen wie 147 – Rat auf Draht auch telefonisch oder online erreichbar.

Mag.a Hedwig Wölfl fasst zusammen: „In Ausnahmesituationen geht es darum weder zu bagatellisieren noch zu katastrophisieren, sondern die Unsicherheit gemeinsam mit den Kindern auszuhalten und mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken.“ Auch Humor stellt eine gesunde Krisenbewältigungsstrategie dar, daher kann es zwischendurch auch helfen über einen Corona-Witz gemeinsam zu lachen.

Quarantäne: Zeit für Familie, aber auch für Streit

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