Der Weg des Triestingtals zur digitalen Musterregion

Breitband am Land
Vom 28k Modem über Funk-Internet und ADSL/VDSL bis zum Glasfaser-Netz | © zib/PeterS.

Breitbandoffensiven gab es schon einige, die aktuelle Initiative setzt auf Glasfaser bis zum Endkunden. Private, Geschäfte und ein Amt unserer Pilotregion Triestingtal sind schon online. Nun entwickeln sich vier Gemeinden zur digitalen Musterregion.

Das „Word Wide Web“  ist nun 30 Jahre alt und seit der genialen Idee des britischen Physikers und Informatikers Sir Tim Berners-Lee ist viel passiert. Wir und die kommenden Generationen gestalten das „WWW“ständig neu: Darauf basierende Anwendungen erobern täglich neue Lebensbereiche und werfen dadurch auch Fragen auf, an denen sich gerade dieser Tage die Meinungen, etwa zu einem modernen Urheberrecht spalten.

Sicher ist nur: Egal welche gesetzlichen Regeln, technischen Standards oder Informations- gesellschaftlichen Anforderungen wir ersinnen: Eine Internetverbindung kann nicht schnell genug sein

Breitbandförderprogramm
2015: Ex-Infrastrukturminister Alois Stöger präsentierte den Start des Breitbandförderprogramms | ©: Zinner/BMVIT

Breitbandoffensiven seit dem Millenium

Der Begriff „Breitband“ ist selbst sehr breit gestreut. Denn in Österreich gilt (lt. RTR) eine maximale Downloadgeschwindigkeit von mehr als 144 kbit/s bereits als Breitbandanschluss, in Deutschland sind es 2048 kbit/s und in den USA wurde dieser Wert inzwischen auf gar 25 mbit/s festgelegt.

Österreich ging zu Beginn des neuen Jahrtausends ziemlich stark in die Breitbandoffensive, fiel aber lt. OECD ebenso rasch wieder unter deren Schnitt. 2003 kamen die nächsten Initiativen – wobei damals auch noch die Tilgung der weißen Flecken am Breitbandatlas wichtig war und heutige Offensiven eher den Speed erhöhen sollen.

Das Triestingtal ist eine von vier Pilotregionen der aktuellen Breitbandoffensive, wo das Land Niederösterreich bis Mitte 2019 insgesamt rund 35.000 Breitband-Anschlüsse realisiert(e).

Die Marktgemeinde Weissenbach, Kaumberg, Altenmarkt und Furth wollen sich im Zuge dessen zu einer digitalen Musterregion in Österreich entwickeln. Also erlaube ich mir einen kurzen Rückblick auf meine Heimatgemeinde, wie denn das alles begann, mit dem Breitband.

Rückblick in die Gegenwart: Wavenet & Telekom

Der von der Telekom lange versprochene ADSL Ausbau wurde vor allem in Furth immer weiter verschoben. Daher ärgerten sich die Bewohner bis etwa 2006 mit den Telefonmodems mit den lustigen Geräuschen und lahmen Datenraten herum.

Also kam die „Wavenet“ Idee auf und ein Ex-Webmaster der Gemeinde trug einiges dazu bei, das dieses „Funk-Internet“ unserem Heimatort erstmal echtes Breitband brachte.
Leider war das am Anfang relativ teuer und nur wenige, in Sichtweite wohnende Menschen kamen in den Genuss dieser Technik. Aber der Ortskern hatte nun mindestens 1024 kbit/s für’s Surfen. Gegenüber den vorigen Modems mit 14 – 56 kbit/s war das wie eine Fahrt mit dem Ferrari auf der Datenautobahn.
Und: Wie man hört, sind noch etliche Kunden bei „Wavenet“.

So um 2008 oder 2009 kam die Telekom, respektive „AON“ drauf: Da gibt ja noch ein, vom Breitband-Ausbau vergessenes Dorf! Also wurde schnell gebuddelt und man verlegte die nötige Infrastruktur bis in den hintersten Winkel.
Im günstigsten Tarif war „AON“ 8x so schnell wie zuvor Wavenet. Schnell wechselten die meisten zur Telekom, irgendwann sogar wir selbst. Ja, ich der eingangs erwähnte Typ, der alle so wegen Wavenet sekkierte – ging zur Konkurrenz.
Im April 2010 hatten wir dann also „a eins“, ein Breitband-Internet mit 8 mbit/s mitsamt „Aon-TV„, einem IP-TV Angebot samt Videothek usw.

Generation X "Digital Natives"
Generation X „Digital Natives“ | Bild von Uki_71 auf Pixabay

Zukunft: Blick über den Ortsrand

Doch dann kamen die Verwandten und Bekannten aus der Stadt und prahlten mit 50 oder gar 100 mbit/s! Das konnte die Telekom damals noch nicht bieten (und in manchen Gegenden auch jetzt nicht). Also kam irgendwann bei den Powerusern in den Dörfern der Wunsch auf: Da muss noch mehr gehen, viel mehr!

An die Zukunft sei zu denken, wenn alle Anwendungen nur mehr über’s WWW laufen, wenn Unmengen an Daten zu versenden sind – stoßen 8 oder 16 mbit/s auch an Grenzen. Denn diese Bandbreite ist nie ungeteilt und auch nur nahe der Übergabepunkte zu erreichen.

Breitbandstrategie des Landes Niederösterreich

Das Land Niederösterreich begann so um 2014 (evtl. auch früher?) gemeinsam mit der nöGIG das Niederösterreichische Modell zu planen und umzusetzen. Dieses sieht in vier Pilotregionen eine leistungsfähige Glasfaser Infrastruktur vor, die einen kostengünstigen Anschluss an das globale Datennetz ermöglicht.

Die ab Herbst 2016 abgehaltenen Infoveranstaltungen und Umfragen in unserer Pilotregion Triestingtal wurden im nächsten Frühjahr präsentiert: Weissenbach, Kaumberg, Altenmarkt und Furth erreichten die nötigen 40 % Zustimmung in der Bevölkerung, manche sogar 60 %.

Die Niederösterreichische Glasfaserinfrastrukturgesellschaft (nöGIG) startete daher schon früher mit der Detailplanung und schon im Dezember 2017 nahmen die Bürgermeister der vier Pilotgemeinden die Schaufeln in die Hand und starteten in Altenmarkt die Arbeiten.

Im Oktober 2018 wurden schon einige Baufortschritte gemacht, Provider, also Betreiber fixiert; und es gingen die ersten lokalen Kunden ins Glasfaser-Netz. Altenmarkt verbuchte gar eine Betriebs-Neuansiedelung – nach 30 Jahren die Erste!
Etwa einen Monat später ging das Gemeindeamt Weissenbach ans neue Netz und war somit das erste öffentliche Gebäude der Pilotregion Triestingtal.

Im Jänner 2019 veranstalte die Gemeinde Furth einen „GLASFASER – INFO – TAG“. Hier wird ja auch fleißig gebuddelt, nur auch aufgrund der weitläufigeren Topologie wird es hier noch ein bisschen dauern. Doch den Bürgern entgeht natürlich nicht, dass die Konkurrenz auch nicht untätig ist. So schwingen auch die Arbeiter der Telekom die Schaufeln. Ebenso basteln die Marketingleute der anderen Betreiber an Konzepten. Diese Fragen wurden bei der Infoveranstaltung erörtert.

Wirtschaftsforum über Weg des Triestingtals zur digitalen Musterregion
Jochen Danninger, kaufmännischer Geschäftsführer von ecoplus, Bürgermeister Johann Miedl, Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck, Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav, Wirtschaftsforum-Obmann Joseph Miedl mit seinem Stellvertreter Franz Haigl | © NLK Reinberger

Im März 2019 kamen Ministerin Margarete Schramböck und Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav in die Marktgemeinde Weissenbach. Sie wurden von Jochen Danninger, kaufmännischer Geschäftsführer von ecoplus, Weissenbach’s Bürgermeister Johann Miedl und einer Abordnung des Wirtschaftsforums Triestingtal begrüßt. Anlass für den hohen Besuch ist der aktuelle Breitbandausbau, der im Auftrag des Landes Niederösterreich durchgeführt wird.

Dabei hat sich Weissenbach, gemeinsam mit Kaumberg, Altenmarkt und Furth dem ehrgeizigen Ziel verschrieben, sich zu einer digitalen Musterregion in Österreich zu entwickeln.