Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe

Natürliche Weiden - da schmeckts Resi besonders gut
Natürliche Weiden – da schmeckts Resi besonders gut

Als am frühen Morgen des 1.April 2015 die Landwirte ihre Stallungen mit den Milchkühen betraten war alles wie immer: Die gleichen Kühe wie gestern, die gleiche Arbeit musste getan werden. Es waren später, zur Melkzeit die selben Geräusche und Gerüche wie jeden Tag, die Kühe von Annamirl bis Resi warteten schon auf ihre Menschen.
Auch der Tankwagenfahrer der Molkerei ist wie jeden Tag unterwegs, fährt wie immer von Hof  zu Hof, mit einer Routine wie immer bezwingt er die steilen, holprigen Wege bis zum Ziel. In der Dorf-Schule warten die Kinder auf ihre Schulmilch und im Supermarkt sollte bald die Milch eintreffen, usw.  Alles wie immer möchte man meinen…

Bis 31.03.2015 war auch alles klar geregelt, ein Abkommen aus 1984 regelte die Abgabemenge jeden Betriebs, jeden Mitgliedsstaates der damaligen EG. Durch ein begrenztes Angebot wollte man einen stabilen Preis für Milcherzeugnisse erhalten und die Überschüsse, “Milchseen und Butterberge” genannt, abschaffen.
Wenn auch manch einer diese Quoten als “auch nicht das Gelbe vom Ei“, als auch nicht sehr gerecht und ausgewogen bezeichnete, man hat sich daran gewöhnt und damit gewirtschaftet.
Aber am 1. April 2015 lief die Garantiemengenregelung aus und Milcherzeuger können unabhängig von einer Quote Milch erzeugen und anliefern.

Mehr Kühe melken um den Ertrag zu halten

Stall
Hohe Investitionen in naturnahe Stallungen wurden getätigt, aber der Landwirt wird mehr Kühe melken müssen um auf den gleichen Ertrag zu kommen…

Natürlich, unsere Landwirte haben sich schon länger darauf vorbereitet, einige haben sich mehr Kühe angeschafft. Dazu musste der Stall vergrössert werden oder gar ein neuer dazu kommen. Wobei die bestehenden, schönen, luftigen und sonnendurchfluteten Holzställe auch schon genug kosteten, nun musste mehr Fläche her.
Denn“, so ein Landwirt, “man braucht nun mehr Kühe um auf den selben Ertrag zu kommen” Dies, weil man sich nun nach den freien Preisen richten muss welche einem die Molkerei zahlt. Und jener schwankt nun, je nach dem Einkaufsverhalten der Konzerne wie REWE, HOFER, SPAR, usw. Auch wird durch die zu erwartende Mehrproduktion auch der Preis gedrückt.

Unsere Landwirte sind vorbereitet

Grössere Stallungen mit mehr Milchkühen sind auch artgerecht angelegt.
Grössere Stallungen mit mehr Milchkühen sind, zumindest bei uns, auch artgerecht angelegt.

Wir haben in der letzten Zeit aufgestockt, um ein gutes Drittel mehr Kühe stehen im Stall” Jedoch wird dieser Betrieb nicht plötzlich auf mehrere Hundert Tiere anwachsen, diese zwischen Beton und Roboter zwängen sondern weiterhin so mit ihnen umgehen wie zuvor. Es gibt zwar grössere Betriebe hier, aber der, als Beispiel genannte Hof ist trotz höherer Anzahl an Milchlieferanten recht klug gemanagt, wie man hört. Man weiß auch da, dass die Tiere Lebenwesen sind und keine Milchautomaten wie es ev. in anderen Regionen unserer allseits geliebten EU ist.

Also ist man hier gut vorbereitet, was aber auch nicht überall so zu sein scheint: Wenn man LK Österreich-Präsident Hermann Schultes so zuhört: “Wundern muss man sich nur über jene, die einen Tag vor Quotenende wach werden, die offensichtlich verschlafen haben!
Wenn die Wertschöpfungskette Bauern, Verarbeiter und Handel zu einer echten Wertschätzungskette wird, in der alle auf gleicher Augenhöhe agieren, profitieren davon Erzeuger, Handel und Konsumenten gleichermaßen” stellte der Präsident fest.

Aktionismus und Wortgefechte

milchAn der Stelle könnte am nun die Wortspenden von allen weiteren Fraktionen, Kammern und Institutionen anführen, aber allein die dazu gehörende Debatte im Landwirtschaftsausschuss am 11.3.2015 würde diesen Artikel um das zig-fache verlängern. Es ist auch da wie immer, alles was die eine Fraktion meint ist für die anderen schlecht und umgekehrt. Viel gute Ideen gäbe es, viel Kritik schlägt entgegen. Andere baden in der Milch weil sie es als tollen Aktionismus sehen wenn man einen Milchsee aufbaut und mit Traktoren in Wien herumkurvt…

Die Landwirt-Schaffts – wie lange noch?

Ein Traktor nahe Steinwandgraben Richtung Ebeltal  Wie lange können die Bauern die Landschaft so schön pflegen?
Ein Traktor nahe Steinwandgraben Richtung Ebeltal Wie lange können die Bauern die Landschaft so schön pflegen?

In dem Zusammenhang EU, Förderungen und Landwirtschaft darf man aber, vor lauter Milch Diskussion eines nicht übersehen: “Es könnte eines Tages die touristisch so wertvolle Landschaft nicht mehr so geben wie jetzt“. Denn die Bauern pflegen die Almen, auf steilsten Hängen mit mühsamer Handarbeit wird jeder Quadratmeter herausgeputzt.
All die saftig-grünen Wiesen, die dunklen, erdigen Äcker, die blühenden Bäume,… alles was wir auf den schönen Wander-Prospekten, den Web-Fotogalerien wie in FURTH sehen ist harte Arbeit und wenn das nicht mehr so honoriert wird wie es sich gehört, dann sind die Fotos alles was bleibt.

 

PS: Bitte um Kommentare und um Verständnis falls was nicht ganz korrekt sein sollte, der Autor ist kein Landwirt…

 

3 Kommentare

  1. Wie stand einmal auf Plakaten LANDSCHAFTSPFLEGE IST NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH.

    DOCH DIE POLITIK OBWOHL VIELE AUS DER BAUERNSCHAFT KOMMEN VERGESSEN SIE DANACH SCHNELL IHRE WURZELN WENN SIE IN DER POLITIK ANGELANGT SIND.

  2. Ich finde da ist jetzt die Eigenverantwortung jedes einzelnen Milch Bauern gefragt: Auch welche Qualität er vor Quantität einbringen will.

    Gemeinschaften könnten gefragt sein, doch alles hat in erster Linie mit Vertrauen zu tun. Auch für den Komsumenten ist Vertrauen das oberste Gebot in die Produkte. Gilt für alle Produkte.

  3. Was nicht geht, ist das sich weiter führende Betriebe, bzw der Handel an Bauern Arbeit bereichert. Da sehe ich ein großes Ungleichgewicht. Doch mit welchen Recht? Wenn ein Bauer für die schwere Arbeit maximal 25 cent pro Liter bekommt, der Konsument sie aber um fast 1 Euro kaufen muß. Da läuft was in die falsche Richtung.

    Wer frisst da wem auf?
    Wer nascht hier zuviel mit?

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