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Dieser Brief ging um die Welt

McLac2000 / Pixabay

„Meinen Hass werdet ihr nicht bekommen“

Das sagt der Ehemann eines der Opfer von Paris.

Woher er diese Stärke nimmt so zu antworten?

Antoine Leiris ist 
Journalist bei France Bleu, einem Regionalsender von Radio France. Am Montag, unmittelbar nachdem er den Leichnam seiner Frau Hélène Muyal-Leiris, der Mutter seines 17 Monate alten Sohnes identifiziert hatte, schrieb er auf facebook diesen Brief an die Mörder seiner Frau. Die 35-Jahre alte Maskenbildnerin war am Freitag bei dem Terroranschlag auf das Konzert im Theater Bataclan getötet worden. Der Text wurde in der Zwischenzeit mehr hundert Tausende Mal geteilt.

Der berührende Brief im Wortlaut:

Am Freitagabend habt ihr mir das Leben eines außergewöhnlichen Menschen geraubt, die Liebe meines Lebens, die Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass, den bekommt ihr nicht. Ich weiß nicht, wer ihr seid, und ich will es auch gar nicht wissen, denn ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den ihr so blind mordet, euch nach seinem Ebenbild 
erschaffen hat, dann hat jede Kugel im Leib meiner Frau auch sein Herz verletzt.

Deshalb nein, ich werde euch jetzt nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. Sicher, ihr habt es genau darauf angelegt – doch auf diesen Hass mit Wut zu antworten, das hieße, sich derselben Ignoranz zu 
ergeben, die aus euch das gemacht hat, was ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit Argwohn betrachte und 
meine Freiheit für meine Sicherheit opfere. Vergesst es. Ich bin und 
bleibe der, der ich war.

Ich habe sie heute Morgen gesehen. Endlich, nach Tagen und Nächten des Wartens. Sie war noch genauso schön wie Freitagabend, als sie losging, genauso schön wie damals, vor über 12 Jahren, als ich mich unsterblich in sie verliebte. Natürlich bin ich vor Kummer fast am Ende, diesen kleinen Sieg gestehe ich euch zu, aber das wird nicht lange 
dauern. Ich weiß, sie wird mich jeden Tag begleiten und dass wir uns im Paradies der freien Seelen wiedersehen werden – in eben dem Paradies, zu dem ihr niemals Zutritt haben werdet.

Wir sind zu zweit, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Welt. Ich habe auch nicht mehr viel Zeit für euch, denn ich muss zu Melvil gehen, der gerade aus seinem Nachmittagsschlaf erwacht. Er ist noch nicht einmal 17 Monate alt, er wird jetzt eine Kleinigkeit essen wie jeden Nachmittag, und dann werden wir miteinander spielen, auch wie jeden Tag, und dieser kleine Junge wird für euch sein Leben lang ein Affront sein, weil er glücklich sein wird und frei. Denn, nein, auch seinen Hass werdet ihr nie bekommen.

Der Sohn und die Liebe zu ihm gibt ihm die Kraft. Der Glaube daran das seine Frau sie nun von oben beschützt.

Quelle

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